Druckstellen und Dekubitus beim wenig mobilen Hund – vorbeugen, früh erkennen und richtig reagieren
Druckstellen entstehen, wenn Körpergewebe über längere Zeit an derselben Stelle belastet wird und dadurch geschädigt wird. Besonders gelähmte, sehr schwache oder dauerhaft liegende Hunde sind gefährdet, weil sie ihre Position nicht ausreichend selbst verändern können.
Solche Wunden können sich anfangs unscheinbar entwickeln und später tief werden. Vorbeugung ist deshalb deutlich einfacher als die Behandlung eines ausgeprägten Druckgeschwürs.
Welche Stellen besonders gefährdet sind
Hervorstehende Knochenpunkte tragen den größten Druck. Häufig betroffen sind Ellenbogen, Sprunggelenke, Hüften und je nach Liegeposition weitere Kontaktstellen.
Tägliches Anschauen und vorsichtiges Abtasten hilft, Rötung, Wärme, Haarverlust, verdickte Haut oder kleine offene Stellen früh zu bemerken. Feuchte oder verschmutzte Haut sollte zusätzlich aufmerksam kontrolliert werden.
Weiche Unterlage allein reicht nicht immer
Ein ausreichend gepolstertes Bett reduziert Druck, verhindert aber bei vollständig immobilen Hunden nicht automatisch jede Wunde. Regelmäßige Lageveränderungen, trockene Haut, gute Ernährung und ausreichende Pflege gehören ebenfalls zur Vorbeugung.
Merck empfiehlt bei liegenden kritisch kranken Patienten regelmäßiges Umlagern. Für zuhause sollte die konkrete Häufigkeit an Hund, Unterlage, Eigenbewegung und medizinischen Zustand angepasst werden.
Feuchtigkeit verschlechtert die Hautbarriere
Urin, Kot und dauerhaft feuchtes Fell können Haut reizen und die Entstehung von Wunden begünstigen. Verschmutzungen sollten zeitnah entfernt, die Haut sanft getrocknet und bei wiederkehrender Inkontinenz ein geeigneter Pflegeplan entwickelt werden.
Starkes Reiben, aggressive Desinfektionsmittel oder dauerhaft luftdicht abgedeckte feuchte Haut können zusätzliche Probleme schaffen. Bei bereits geschädigter Haut sollte die Wundpflege tierärztlich abgestimmt werden.
Wann eine Wunde untersucht werden sollte
Offene Haut, nässende Stellen, unangenehmer Geruch, zunehmende Schwellung, Schmerz oder dunkles beziehungsweise abgestorben wirkendes Gewebe gehören tierärztlich beurteilt. Tiefe Druckwunden können erheblich umfangreicher sein, als die sichtbare Oberfläche vermuten lässt.
Schwere Druckgeschwüre können professionelle Wundbehandlung und in manchen Fällen chirurgische Maßnahmen erfordern. Hausmittel sollten deshalb nicht an die Stelle einer Untersuchung treten.
Auch Ernährung und Allgemeinzustand zählen
Schlechter Ernährungszustand, Muskelverlust und schwere Grunderkrankungen können Heilung erschweren. Ein Hund mit Druckstellen sollte deshalb nicht nur lokal an der Haut betrachtet werden.
Gewicht, Muskelzustand, Durchblutung, Schmerzen und die Ursache der Immobilität gehören in die Gesamtbewertung. Gerade bei sehr gebrechlichen Senioren ist das zugleich eine Frage der Lebensqualität.
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