Mein alter Hund frisst schlechter oder wird wählerisch

Wenn ein Seniorhund weniger frisst oder sein Futter plötzlich ablehnt, sollte das nicht automatisch mit „Altersmäkelei“ erklärt werden. Zahnschmerzen, Übelkeit, Organerkrankungen, Schmerzen, Veränderungen von Geruchs- und Geschmackssinn oder Medikamente können den Appetit beeinflussen.

Zuerst zwischen Vorliebe und Appetitverlust unterscheiden

Ein Hund kann ein bestimmtes Futter verweigern und andere Nahrung mit Begeisterung annehmen. Das ist etwas anderes als ein Hund, der allgemein weniger Interesse an Futter zeigt oder trotz Hunger nach wenigen Bissen wieder aufhört.

Auch die Dauer ist wichtig. Eine einzelne ausgelassene Mahlzeit bei ansonsten unauffälligem Verhalten wird anders bewertet als ein über Tage abnehmender Appetit zusammen mit Gewichtsverlust oder Schwäche.

Maul und Zähne können eine Rolle spielen

Zahnerkrankungen, entzündetes Zahnfleisch, lockere Zähne oder Veränderungen in der Maulhöhle können Kauen schmerzhaft machen. Manche Hunde zeigen trotzdem Interesse am Futter, lassen Stücke aber fallen, kauen einseitig oder bevorzugen plötzlich weichere Nahrung.

Die Mundhöhle sollte bei Seniorhunden regelmäßig tierärztlich untersucht werden. Gerade Veränderungen im Fressverhalten können ein Anlass sein, Zahn- und Maulgesundheit gezielt anzusehen.

Übelkeit ist nicht immer leicht zu erkennen

Ein Hund mit Übelkeit muss nicht zwingend erbrechen. Schmatzen, vermehrtes Speicheln, Grasfressen, Wegdrehen vom Futter oder ein Wechsel zwischen Interesse und Ablehnung können vorkommen, sind aber nicht spezifisch.

Magen-Darm-Erkrankungen, Bauchspeicheldrüsenprobleme, Nieren- oder Lebererkrankungen und viele andere Ursachen können den Appetit beeinträchtigen. Deshalb ist die Gesamtentwicklung wichtiger als ein einzelnes Zeichen.

Schmerz, Medikamente und andere Erkrankungen

Chronische Schmerzen können Aktivität und Appetit verändern. Auch Atemprobleme, Infektionen oder andere Erkrankungen können dazu führen, dass ein Senior weniger frisst.

Medikamente können den Appetit ebenfalls beeinflussen. Wenn sich das Fressverhalten nach Beginn oder Änderung einer Medikation verändert, sollte das dem behandelnden Tierarzt mitgeteilt werden, ohne Medikamente eigenmächtig abzusetzen.

Was du dokumentieren kannst

Wiege die tägliche Futtermenge möglichst grob ab und notiere, was tatsächlich gefressen wurde. Gewichtskontrollen in regelmäßigen Abständen helfen, schleichenden Verlust früh zu erkennen.

Zusätzlich sind Trinkmenge, Urinabsatz, Erbrechen, Durchfall, Schmatzen, Probleme beim Kauen, neue Medikamente und Aktivitätsveränderungen hilfreich. Diese Informationen erleichtern eine zielgerichtete Untersuchung.

Wann tierärztlich abklären?

Anhaltender oder deutlicher Appetitverlust sollte bei einem Seniorhund nicht lange ignoriert werden. Besonders Gewichtsverlust, wiederholtes Erbrechen, Durchfall, starke Schwäche, Bauchschmerz oder andere neue Krankheitszeichen erhöhen die Dringlichkeit.

Ob der Hund besonders schmackhaftes Futter noch annimmt, kann als zusätzliche Beobachtung notiert werden. Es schließt Schmerzen, Übelkeit oder eine andere medizinische Ursache jedoch nicht aus und sollte nicht dazu führen, die Abklärung durch immer neue Futtersorten über längere Zeit hinauszuschieben.