Mein alter Hund hechelt viel – Hitze, Schmerz, Stress oder Erkrankung?
Hecheln ist für Hunde ein normales Mittel zur Wärmeabgabe und kann nach Bewegung, bei Aufregung oder hohen Temperaturen völlig unauffällig sein. Bei einem Seniorhund verdient neu auftretendes, deutlich stärkeres oder in Ruhe anhaltendes Hecheln trotzdem Aufmerksamkeit.
Die Ursachen reichen von Schmerz und Stress über hormonelle Erkrankungen bis zu Herz-, Atemwegs- oder Kreislaufproblemen. Aus dem Hecheln allein lässt sich deshalb keine Diagnose ableiten.
Zuerst den Kontext beobachten
Entscheidend ist, wann das Hecheln auftritt. Nach einem warmen Spaziergang bedeutet es etwas anderes als nachts im kühlen Raum oder beim ruhigen Liegen.
Notiere Dauer, Auslöser, Raumtemperatur, vorausgegangene Bewegung und ob der Hund gleichzeitig unruhig, schmerzhaft, schwach oder desorientiert wirkt. Diese Informationen sind für die Einordnung wesentlich hilfreicher als die Aussage „Er hechelt viel“.
Schmerzen können Hecheln verursachen
Akuter und chronischer Schmerz kann das Atemmuster verändern und mit Unruhe oder Hecheln einhergehen. Bei Seniorhunden lohnt sich deshalb der Blick auf Aufstehen, Liegen, Berührungstoleranz, Gangbild und nächtliche Ruhe.
Schmerz ist jedoch nur eine Möglichkeit. Ein Hund sollte nicht aufgrund von Hecheln allein Schmerzmittel erhalten, ohne Ursache, Begleiterkrankungen und geeignete Behandlung tierärztlich abzuklären.
Hormonelle Erkrankungen gehören zu den Differentialursachen
Beim Cushing-Syndrom gehört vermehrtes Hecheln zu den typischen klinischen Zeichen und tritt häufig zusammen mit Mehrtrinken, vermehrtem Urinieren, großem Appetit und Muskelabbau auf. Auch Medikamente, Fieber und andere Stoffwechselveränderungen können das Atemverhalten beeinflussen. Die Begleitzeichen helfen deshalb bei der Entscheidung, welche Untersuchungen sinnvoll sind.
Hecheln oder echte Atemnot?
Bei Hecheln kann der Hund oft weiterhin relativ frei Luft bewegen. Echte Atemnot zeigt sich eher durch sichtbar verstärkte Atemarbeit, gestreckten Hals, weit abgespreizte Ellenbogen, Unruhe, fehlende Erholungsfähigkeit oder auffällige Schleimhautfarbe.
Deutlich erschwerte Atmung, blaue oder graue Schleimhäute, Kollaps oder eine rasche Verschlechterung sind unmittelbare Notfälle. Ein Hund mit möglicher Atemnot sollte möglichst ruhig gehalten und nicht durch unnötiges Laufen zusätzlich belastet werden.
Auch Hitze wird für Senioren schneller problematisch
Seniorhunde mit Herz-, Lungen- oder Kehlkopferkrankungen können durch Wärme und körperliche Belastung schneller an ihre Grenzen kommen. Bei GOLPP beziehungsweise Kehlkopflähmung besteht ein erhöhtes Hitzschlagrisiko, sodass Aktivität und Umgebungstemperatur besonders sorgfältig angepasst werden sollten. An warmen Tagen sollte Bewegung deshalb an den individuellen Hund angepasst werden. Starke Überhitzung, Schwäche, Erbrechen, Kollaps oder neurologische Veränderungen erfordern sofortige tierärztliche Hilfe.