Muskelabbau beim alten Hund – erkennen und richtig einordnen
Mit zunehmendem Alter kann ein Hund Muskelmasse verlieren, auch wenn sein Körpergewicht zunächst kaum verändert ist. Muskelabbau sollte trotzdem nicht automatisch als unvermeidbare Alterserscheinung hingenommen werden, weil Schmerzen, Bewegungsmangel, Ernährung und chronische Erkrankungen beteiligt sein können.
Muskelmasse und Körpergewicht sind nicht dasselbe
Ein Hund kann Fett zunehmen und gleichzeitig Muskulatur verlieren. Auf der Waage sieht das Gewicht dann stabil aus, obwohl Rücken, Oberschenkel oder Schulterbereich deutlich schmaler geworden sind.
Deshalb unterscheiden veterinärmedizinische Ernährungsleitlinien zwischen Body Condition Score und Muscle Condition Score. Der eine beurteilt vor allem Fettreserven und Körperkondition, der andere gezielt die vorhandene Muskelmasse.
Was Sarkopenie bedeutet
Als Sarkopenie wird ein Verlust von Muskelmasse bezeichnet, der mit dem Altern verbunden ist und nicht durch eine Erkrankung erklärt wird. Davon zu unterscheiden ist Kachexie, also ein Muskelverlust im Zusammenhang mit einer Erkrankung; beide Begriffe sollten nicht allein anhand des Aussehens zuhause diagnostiziert werden.
Woran Muskelverlust auffallen kann
Tierärztliche Muscle-Condition-Systeme beurteilen unter anderem den Bereich über Wirbelsäule, Schulterblättern, Schädel und Becken. Im Alltag können zusätzlich schmalere Oberschenkel, stärker sichtbare Knochenpunkte, Schwierigkeiten beim Aufstehen, schnelleres Ermüden oder weniger Stabilität auffallen.
Solche Veränderungen können auch durch Schmerzen oder neurologische Erkrankungen entstehen. Deshalb gehört die Ursache medizinisch eingeordnet.
Schmerzen und Bewegungsmangel können sich gegenseitig verstärken
Wenn Bewegung unangenehm ist, bewegt sich ein Hund oft weniger. Weniger Belastung kann wiederum zum weiteren Verlust von Muskulatur führen und alltägliche Bewegungen noch schwieriger machen.
Deshalb ist die Lösung nicht automatisch „mehr Bewegung“. Zuerst sollte geklärt werden, ob Schmerzen, Gelenkerkrankungen, Herz-Kreislauf-Probleme oder andere Einschränkungen vorliegen und welche Belastung für den einzelnen Hund sinnvoll ist.
Ernährung spielt ebenfalls eine Rolle
Seniorhunde haben nicht automatisch alle denselben Nährstoffbedarf. Erkrankungen, Körperzustand, Aktivität und Futterverträglichkeit beeinflussen, welche Ernährung passend ist.
Ein eigenmächtiges starkes Erhöhen einzelner Nährstoffe oder Nahrungsergänzungsmittel ist deshalb keine universelle Lösung. Bei deutlich erkennbarem Muskelverlust sollte die Ernährung zusammen mit dem Gesundheitszustand tierärztlich beziehungsweise ernährungsmedizinisch beurteilt werden.
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