Mein alter Hund nimmt zu – ist das einfach weniger Bewegung?

Gewichtszunahme bei einem Seniorhund kann tatsächlich mit geringerem Energieverbrauch zusammenhängen. Sie sollte trotzdem nicht automatisch als harmlose Altersfolge gelten, weil auch Schmerzen, Medikamente, hormonelle Erkrankungen und Veränderungen der Körperzusammensetzung eine Rolle spielen können.

Gewicht allein erzählt nicht die ganze Geschichte

Seniorhunde können Fettmasse zunehmen und gleichzeitig Muskulatur verlieren. Dadurch kann die Zahl auf der Waage nur moderat steigen, obwohl sich Körperform und Beweglichkeit deutlich verändern.

Deshalb sind regelmäßiges Wiegen, Body Condition Score und Muscle Condition Score gemeinsam sinnvoll. Besonders Rücken, Schulterbereich, Becken und Oberschenkel geben Hinweise darauf, ob Muskulatur erhalten bleibt oder abnimmt.

Weniger Aktivität kann Ursache und Folge zugleich sein

Ein Hund mit Arthrose, Rückenschmerz oder Atemproblemen bewegt sich möglicherweise weniger und verbraucht dadurch weniger Energie. Nimmt er zu, steigt die mechanische Belastung zusätzlich und Bewegung kann noch schwieriger werden.

Die Lösung besteht deshalb nicht automatisch darin, Spaziergänge deutlich zu verlängern. Zuerst sollte geklärt werden, ob der Hund belastbar ist und welche Form von Bewegung ohne Überforderung möglich ist.

Auch Erkrankungen und Medikamente können beteiligt sein

Hypothyreose, Cushing-Syndrom und andere Stoffwechselveränderungen können Gewicht und Körperzusammensetzung beeinflussen. Auch bestimmte Medikamente können Appetit, Aktivität oder Flüssigkeitshaushalt verändern.

Eine Gewichtszunahme beweist keine hormonelle Erkrankung. Wenn sie jedoch deutlich, unerwartet oder mit anderen Veränderungen wie Hautproblemen, starkem Hunger, Mehrtrinken oder auffälliger Müdigkeit einhergeht, ist eine tierärztliche Abklärung sinnvoll.

Kalorien reduzieren – aber Muskulatur schützen

Bei echtem Übergewicht kann eine kontrollierte Gewichtsreduktion Mobilität und allgemeine Gesundheit unterstützen. Gerade beim Senior sollte sie aber so geplant werden, dass nicht unnötig zusätzliche Muskelmasse verloren geht.

Radikale Futterkürzungen oder das ersatzlose Streichen ganzer Mahlzeiten sind dafür keine gute Strategie. Sinnvoller sind eine bedarfsgerechte Ration, kontrollierte Leckerlimengen und ein Bewegungsumfang, der zum medizinischen Zustand passt.

Verlauf statt Bauchgefühl

Wiege deinen Hund in festen Abständen möglichst auf derselben Waage und dokumentiere Veränderungen. Fotos von oben und von der Seite können zusätzlich zeigen, ob sich Taille, Bauchlinie und Muskulatur verändern.

Wenn Gewicht trotz angepasster Futtermenge weiter steigt oder gleichzeitig Leistungsfähigkeit, Fell, Haut, Trinkmenge oder Verhalten auffällig werden, sollte nicht immer weiter gekürzt werden. Dann ist die Ursachenklärung wichtiger als die nächste Diätstufe.